Wort zum Sonntag

Wohin mit meiner Wut?

Die meisten Menschen in meinem Umfeld kennen mich als ausgeglichene und reflektierte Person. Und auch ich selbst würde mich als diplomatisch und achtsam in meiner Wortwahl und Kommunikation beschreiben. Aber fragt mal meinen Mann und meine Kinder...

Es gibt auch noch eine andere Seite in mir. Eine Schattenseite. Eine Seite, die ein Tabu zum Vorschein bringt. Meine Wut. Sie überkommt mich in scheinbar “harmlosen” Alltagssituationen. Sie kriecht vom Bauch in den Hals und dann ist sie da. Erschreckend präsent. Mein Kopf und mein Körper schalten auf Autopilot. Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Meine Stimme erhebt sich, wird laut und schrill. Ich verspüre den Wunsch, irgendetwas kaputt zu machen.

Jahrelang habe ich mich selbst dafür verurteilt, dass ich als Frau und Mutter regelmäßig Wut verspüre und schlimmer noch: Diese auch zum Ausdruck bringe. Ich hatte den tiefsitzenden Glauben, dass meine Wut falsch ist. Dass ich falsch bin. Ich dachte, es hätte etwas mit fehlender Impulskontrolle oder mangelnder Frustrationstoleranz zu tun. Ich dachte, ich bräuchte einfach gute Strategien für mehr Ausgleich, mehr Me-time. Mehr Sport, mehr Yoga, mehr Meditation. Also habe ich angefangen Strategien umzusetzen. Für Ausgleich zu sorgen, Me-time einzubauen, Yoga zu praktizieren, Sport zu machen und regelmäßig zu meditieren. 

Die Wut ist geblieben. 

Ich fange gerade erst an zu verstehen, dass meine Wut heilig ist. Meine Wut ist Energie und Schöpferkraft. Meine Wut ist ein wichtiger Wegweiser. Ein Wegweiser auf meiner inneren Landkarte. Hin zu meinen Gefühlen, hin zu mir selbst. 

Ich fange gerade erst an zu verstehen, dass es nicht darum geht, nicht mehr wütend zu sein. Für mich geht es mittlerweile darum, mir meine Wut zu erlauben. Mir geht es darum, den Mut zu haben, hinter meine Wut zu schauen. Und zu entdecken, was ich Jahrzehnte lang unter meiner Wut vergraben habe. Was ich mir jahrzehntelang nicht erlaubt habe zu fühlen, weil es zu schmerzhaft war. Jedes Mal ein bisschen mehr. Jedes Mal ein bisschen tiefer. 

Und ja, ich bin genau diese Person, die meine Mitmenschen in mir sehen: Ich bin ausgeglichen und reflektiert. Ich bin diplomatisch und achtsam. Und manchmal bin ich wütend! 

Rieke und das SDM-Team wünschen euch einen schönen Sonntag und einen super Start in die neue Woche! 


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